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Die richtigen Weingläser

Nomen est omen. Thomas Schalk (Geschäftsführer Wine Star) sitzt der Schalk meterhoch im Nacken! Da lädt er eine Runde von Weinexperten ein – Winzer, Weinschreiber, Sommeliers, Wirte –, stellt 15 unterschiedliche Gläser vor die Damen und Herren, beschreibt schließlich die simple Aufgabe. Man möge in Teamarbeit eruieren, in welchem Glas der Chianti wäre, der Shiraz, der Pinot noir, dann sei noch ein Bordeaux zu entdecken, ein Blaufränker ... Die Runde war sich ziemlich schnell einig, wo denn was drinnen sei. Und die Runde war einigermaßen entsetzt, als Herr Schalk das Ergebnis bekannt gab: In allen Gläsern war derselbe Wein! Übrigens wird diese Übung von den diversen Glaserzeugern recht gerne bemüht.

Waren da also lauter Möchtegerne am Werk, selbst ernannte Experten ohne Background, extrem verschnupfte Spürnasen?

I wo! Das Fehlurteil hat eine ziemlich „durchsichtige“ Grundlage – verschiedene Gläser bringen verschiedene Eigenschaften ein und desselben Weines zum Vorschein. In engen Kelchen z. B. konzentriert sich der Duft, ein bauchiges Design forciert die alkoholische Note, ausgelippte Gläser betonen die Säure. Bis in die späten 60er Jahre hatte das Weinglas vor allem eine Funktion: Es musste repräsentativ aus der Vitrine in der guten Stube leuchten, möglichst in rot, grün oder blau, jeder Quadratzentimeter mit Reben und Ranken verziert, mit springenden Rehleins, fettleibigen Saufgöttern und ähnlich sinnvollen Motiven.
Das funktionelle Glas war erfunden, als die Glasentwickler die Rezeptoren im Mundraum ins Design mit einbezogen. Süß sitzt an der Zungenspitze, sauer an den Zungenrändern, bitter am hinteren Zungengrund usw. – eine mittlerweile wissenschaftlich umstrittene Theorie. Jedenfalls fand ein süßer Wein fürderhin seine Genussheimat in einem Glas mit sehr enger Öffnung, aus dem er quasi gesaugt werden musste. Was den Tropfen in der Folge unmittel­bar auf die süßeempfindliche Zungenspitze beförderte.

Mit diesem Basiswissen um die Geschmacksrezeption ausgestattet, lieferten die Designer, was das Glas hielt: Gläser für chlorfreies Wasser, für 13,5-jährige Rieslinge aus dem Norden Kanadas, für Grappa von über 80-jährigen Destillateuren aus dem Piemont, für Barbera, der ausschließlich von jungfräulichen Füßen mit Schuhgröße 36 eingestampft wurde ... Das ganze Wunderwerkel auch in allen Preisklassen, nebenbei bemerkt. Wie aber findet der Konsument aus diesem Angebotsdschungel heraus? Sofern Platz, Geld und der Wille zum Polieren vorhanden sind, sollte man ruhig den glitzernden Verlockungen erliegen. Ein eleganter Gläserschrank mit 20 Serien zu je 12 Gläsern – da glänzt das Ansehen des Gastgebers schon gewaltig mit.

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