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Star-Keeper Charles Schumann

Charles Schumann sagte früher über sich: „Ich war ein Kotzbrocken.“ Und heute: „Ich bin kein einfacher Mensch, weil ich so neugierig bin und ungeduldig und vor allem gegen Trägheit bin, deshalb habe ich Probleme mit vielen Menschen.“ Er ist der Barkeeper, der als Star-Keeper berühmt wurde, der Mann, der lieber boxt als shakt, der mehr Sozialarbeiter als Barstar ist. „Die Drinks setzt man voraus, die kann fast jeder lernen. Die soziale Kompetenz ist wichtig.“ Oft ist der Gast allein und hält sich am Barmann fest. „Dann muss er guter Zuhörer sein, helfen kann er meist nicht.“
Charles Schumann bewegt sich in seiner Bar am Odeons­platz sicher wie früher Maradona im Strafraum. Eine hohe Halle mit Nussholzmöbeln, ein ewig langer, blitzblanker Metalltresen und eine ebenso lange Reihe von Campari-Flaschen über den
Spirituosen – das ist das Reich, in dem Charles geboren wurde und wohl auch sterben wird. Jetzt am Tag, wenn alles in schokofarbiges Zwielicht getaucht ist, lässt sich erahnen, wie die Bar zur Bühne gekonnter Lässigkeit wird – wenn der Himmel draußen zu einem satten Azurblau verschwimmt und die Schönen der Nacht hereinfließen. Im Anzug lehnt Charles an der Bar, die eisgrauen, welligen Haare locker nach hinten gegelt. Er blickt in die Kamera, einfach nur wie Charles Schumann – das genügt schon. Jede einzelne Falte erzählt sein Leben. Ein Barleben, das vor 30 Jahren als Karl Georg begann und seinen Höhepunkt in der Weltmarke Charles Schumann fand. Geschenkt wurde ihm nichts, darum ist er beim Boxen „manchmal ein harter Schläger, aber nicht um jemanden umzulegen. Ich lote nur den Gegner aus, wie beim Schach“. Geboren wurde er als zweiter Sohn einer Bauernfamilie und verließ sein Heim als Kind. „Das war immer so. Wir waren eine große Familie und der Beste in der Schule, der ging eben.“
In Schumann’s Bar nahmen schon viele Prominente das Gesichtsbad in den Cocktails. Boris Becker und Helmut Dietl zählen zu seinen Fans, auch Angela Merkel und Bocuse tauchten in die stilvolle Welt des Großmeisters ein. Boris und die anderen schätzen, dass Charles einfach nur eine amerikanische Bar betreibt, die einzige in Deutschland, die auch in Expertenkreisen ­diesen Namen verdient. Kellner in Krawatte und Tadsch-Mahal-weißen Jacken servieren klassische Drinks nach klassischen Rezepten. Ohne bunte Schirmchen, ohne Happy Hour.

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